110 Jahre FC Eintracht Münchberg

Münchberg- Heute vor genau 110 Jahren, am 22. August 1910, wurde der 1. FC Münchberg im Gasthof Bayerischer Hof gegründet. Und das Jubiläumsjahr 2020 sollte nach dem ersten Vorsitzenden Stefan Hofmann „das Jahr der Entscheidungen“ sein, „doch dann kam Corona“.

Seit letztem Jahr habe beim FC Eintracht Münchberg, so der Name seit der Fusion im Jahr 2000 mit Eintracht Münchberg, für das Wiesenfest geplant, „wir wären heuer wieder Festwirt gewesen“, deshalb seien die Planungen für das Jubiläum aufgeschoben wurden, „wir wollten ja auch nur in kleinem Rahmen feiern“, so Hofmann, nicht so wie beim Hundertjährigen, wo eine Woche gefeiert wurde. Eine Feier am Gründungstag an der Gründungsstätte Bayerischer Hof hat man aufgrund der Corona-Lage wieder abgesagt. „Die Einladungen waren schon geschrieben.“ Auch auf eine Aufstiegsfeier hatte man sich gefreut. Die erste Mannschaft steht in der Bezirksliga sehr gut da und nun hoffen alle im Verein auf einen guten Restart nach Corona. Mit Noah Nürnberger und Pascal Spindler habe man das Team nochmals verstärken können. Wichtig für Hofmann ist aber auch der Klassenerhalt der zweiten Mannschaft in der Kreisliga. „Wenn die erste Mannschaft in die Landesliga aufsteigt, braucht sie einen guten Unterbau und von der Kreisklasse zur Landesliga ist der Abstand zu groß. Ich habe aber großes Vertrauen in Mannschaft und Trainer Matthias Fichtner.“ Um gut aus Corona heraus zu starten, habe man im Team Hofmann, der zweiten Vorsitzenden Kerstin Friedrich und Trainer Markus Bächer hervorragende Corona-Hygienekonzepte für Sportbetrieb und Vereinsheim entwickelt. „Das hat mir einige schlaflose Nächte bereitet“, bekennt der junge Vorsitzende, der in seiner ersten Amtszeit schon kräftig gefordert wird. Dazu gehört(e) auch die geplante Fusion mit dem ATSV 04 Münchberg-Schlegel, die derzeit auf Eis liegt. „Wir haben sehr gute Gespräche geführt und die Stimmung und das Verhältnis zwischen den beiden Vereinen war noch nie so gut“, schätzt Hofmann die derzeitige Lage ein, „die Tür für eine Fusion ist noch nicht komplett zu, durch Corona haben aber zurzeit andere Dinge Priorität.“ Wie etwa der dringend benötigten Kunstrasenplatz. „Alle Sportplätze in der Stadt sind in die Jahre gekommen.“ Man stehe deshalb mit der Stadt und dem ATSV in ständigem Kontakt. In den nächsten Monaten soll hier eine Entscheidung fallen. Gelungen sei die Jugendspielgemeinschaft mit dem FC Waldstein und dem ATS Stockenroth.

Der Fußball in Münchberg hat damit begonnen, als die „Lauser“ mit einem „Flecklesball“ an der Stammbacher Straße der „Korkserei“ frönten, so hat es einmal Dieter Rücker, der schon viele Führungspositionen im Verein begleitet hat, beim Historischen Stammtisch erklärt. Dabei mussten die Schulranzen als Torpfosten herhalten. Mangels Fußballplatz wurden die ersten Spiele auf dem Platz der SpVgg des TV Hof (heute in die SpVgg Bayern Hof aufgegangen) ausgetragen. Das erste Spiel ging am 9. Oktober gegen den Platzverein mit 2:3 verloren. An gleicher Stätte wurde auch der erste Sieg, ein 6:1 gegen den FC Wunsiedel, eingefahren. Im März 1911 kam das Ok des Stadtmagistrats, dass auf dem „Oskar Fleißnerschen Acker“ ein Fußballplatz eingerichtet werden darf. Am 7. Mai 1911 konnte sich die Mannschaft erstmals vor 300 heimischen Zuschauern vorstellen. Während des 1. Weltkrieges wurde der Spielbetrieb eingestellt, der Sportplatz wurde wieder zum Kartoffelacker und nach dem Krieg musste sich der Verein nach einem neuen Spielgelände umschauen. Zunächst wurde nahe der Bahnlinie, am Eisteich, trainiert und gespielt, hier wurden aber immer wieder die Torpfosten abgesägt, deshalb wurde auf ein Wiesengrundstück nahe Eiben umgezogen. Auch hier hatte das Gastspiel bald ein Ende, man kehrte zurück in die Stadt und spielte auf einem holprigen Gelände am Schützenhaus, dem heutigen Wiesenfestplatz. Auch dies konnte nur eine Zwischenlösung sein. 1926 wurde ein eigenes Spielgelände gekauft, wo bis heute gespielt wird. Das Geld dafür hatte die Theater- und Gesangsabteilung eingespielt und auf dem Schützenfest wurden 10 000 Lose verkauft.

Der erste große sportliche Erfolg hatte sich 1929 eingestellt; der FCE stieg in die oberfränkische Kreisliga auf. Der nächste Triumpf war mit dem Aufstieg in die Bezirksliga zum 25jährigen Jubiläum im Jahr 1935 gelungen. Die Gegner hießen nun Bayern Hof, SpVgg Hof, FC und SpVgg Bayreuth sowie VfB Helmbrechts.

Nach dem 2. Weltkrieg wurde das Sportgelände von den US-Besatzern beschlagnahmt, diese richteten dort ein Internierungslager ein. An den Ecken wurden Türme errichtet, um die Inhaftierten, unter ihnen auch einige Fußballer des FC, überwachen zu können. Später wurden die sieben Baracken als Notquartiere für Vertriebene genutzt.

1947 wurde das Spielfeld restauriert und vergrößert. Um diese Investition finanzieren zu können, ist 1948 der TSV 1860 München vor der Rekordkulisse von 6 000 Zuschauern gegen den FC angetreten. Die legendäre Nachkriegself des FC spielte in der vierthöchsten Spielklasse Deutschlands und wurde in den Jahren 1960, 1961 und 1963 dreimal oberfränkischer Pokalsieger. In der Mannschaft standen ausschließlich Eigengewächse. Die Spielstärke des Bezirksligisten bekam 1960 auch der 1. FC Nürnberg anlässlich des 50jährigen Jubiläums vor 5 000 Zuschauern zu spüren. Der Club, der sich zu einem knappen 2:1 quälte, war eine Woche zuvor mit der gleichen Mannschaft mit einem 3:0 gegen Borussia Dortmund Deutscher Meister geworden. Der Club-Trainer Herbert Widmayer war so sauer, dass seine mit Nationalspielern gespickte Mannschaft, unter ihnen Roland Wabra, Max Morlock, Paul Derbfuß, „Nandl“ Wenauer, Gustav Flachenecker und Heinrich Müller, nicht ans eingerichtete Bankett durften. So konnten es die Spieler des FCM alleine leer räumen. 1964/65 gelang der Aufstieg in die Landesliga und drei Jahre später folgte größte Erfolg des FC, der Aufstieg in die Bayernliga. Mit der immer noch fast identischen Mannschaft, die den oberfränkischen Titel geholt hatte.

Doch dann musste mit den Leistungsträgern Helmut Götz, James Herrmann, Reinhard Primus, Max Eidelloth und Paul Jüptner fast die Hälfte der Mannschaft zur Bundeswehr. So konnte monatelang nicht mit der kompletten Mannschaft trainiert werden, weil 1968 bei der Bundeswehr wegen der Tschechen-Krise Ausgangssperre herrschte. Selbst die Fürsprache des Bundestagsabgeordneten Manfred Schlager brachte keinen Erfolg. Zwei Funktionäre des FC holten zum Spiel gegen die Amateure des FC Bayern München jedoch Primus und Eidelloth verbotener Weise an der Bindlacher Kaserne ab. Es wäre nicht herausgekommen, wenn sich nicht der TuS Weißdorf benachteiligt gefühlt hätte, weil er ohne seine Bundeswehrler antreten musste. Die FC-Funktionäre wurden wegen „Anstiftung zur Befehlsverweigerung“ vor Gericht gestellt, einer von ihnen wurde zu 500 Mark Strafe verurteilt. Eidelloth bekam einen Monat Strafarrest auf Bewährung. Nach nur einem Jahr ging es auch deshalb zurück in die Landesliga. 1986/87 ging es weiter zurück in die Bezirksliga und genau im Jahr des 100jährigen Jubiläums, im Jahr 2010, musste man in die Kreisliga und ist nach zwei Jahren, in der Serie 2011/2012, unter Trainer Jürgen Gahn wieder in die Bezirksliga aufgestiegen. Nach fünf Jahren verabschiedete sich Gahn aus Münchberg und fast wäre danach wieder ein Abstieg fällig gewesen. Markus Bächer übernahm das Training, rettete die Mannschaft vor dem Abstieg und steht jetzt auf dem 1. Platz in der Bezirksliga und damit auf dem Sprung in die Landesliga.

Großer Wert wurde beim FCE auch stets auf die Jugendarbeit gelegt, immer mit dem Namen „Molly“ Müller verbunden. Mehr als zehn Teams spielen jetzt in der Spielgemeinschaft FCE, FC Waldstein und ATS Stockenroth.

Ab 1971 wurde in Münchberg auch Damenfußball gespielt, der FC war damit einer der ersten Vereine in Deutschland. Sie spielte mehrere Jahre in der Bayernliga, war mehrfacher oberfränkischer Meister und stellte auch mehrere Spielerinnen für die Bayernauswahl ab. Während eines Spieles in Coburg wurden der Damenmannschaft die BH´s aus der Kabine gestohlen. In der Zeitung war darüber zu lesen: „Die 15 gut gewachsenen Spielerinnen mussten ohne BH die Heimreise antreten.“

Danke Helmut Engel für den Bericht!

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